Alex Knecht: Infos aus Rio

Rio2016 AKnecht3 privatAlex Knecht - Goalball Schiedsrichter in RioHier finden Sie Informationen von Alexander Knecht aus Rio. Alex ist als Goalball- Schiedsrichter in Rio und schickt uns fast täglich seine Eindrücke aus Rio


Hallo zusammen,

die letzten Infos aus Rio kommen bereits aus Frankfurt. Bin gut gelandet und warte auf den Weiterflug nach Stuttgart.

Der letzte Spieltag war nochmals richtig Werbung für unseren Sport. Im Spiel um Platz drei haben zwar die Brasilianerinnen 2:3 gegen USA verloren, doch das Herrenspiel um Bronze war schon unglaublich. Für die Stimmung in der Halle habe ich ja schon einige Superlative verwendet, doch dieses Spiel toppte alles. Schweden lag zur Halbzeit mit 3:0 gegen Brasilien in Führung und erziehlte sogar den Treffer zum 4:0. Dann kamen die Brasilianer ins Spiel zurück, trafen ein ums andere Mal und beim 4:4 Ausgleich war die Menge kaum zu halten. In der letzten Minute schaffte Schweden jedoch den Treffer zum 5:4. Als Brasilien Sekunden vor Ende den nochmaligen Ausgleich schaffte .... die Emotionen auf den Tribünen kann man kaum in Worte fassen, erst recht, als in der Verlängerung die Brasilianer das Golden Goal erziehlten und sich Bronze sicherten. Unglaublich was in der Halle abging.
Das Finale der Damen war mit 4:1 eine klare Angelegenheit. Die Türkinnen gewannen verdient gegen China zum ersten Mal Gold.
Im Herrenfinale konnte ich die Stimmung beim Einmarsch nochmals hautnah erleben, da ich als 10-Sekunden-Zeitnehmer am Tisch mit den Mannschaften und Schiris einlief. Es war ein toller Abschluss unseres Turniers. Litauen war überlegen und hatte das Spiel stets im Griff. Mit 14:8 gewannen auch sie zum ersten Mal paralympisches Gold.
Da mein Flug erst am späten Samstag Abend ab Rio ging, nutzten wir den Tag um nochmals an die Copacabana zu gehen. Das Wetter war traumhaft und ich hatte meine Badehose dabei!! Ich habe es am Ende doch noch geschafft in die Atlantikwellen an Rios Stadtstrand zu tauchen. Einfach klasse war das, auch wenn ich noch selten so viel Plastik im Wasser hab schwimmen sehen.

Euch allen vielen Dank, dass ihr meine vielen Eindrücke und Erlebnisse mit mir geteilt habt und herzlichen Dank auch für die vielen Rückmeldungen, welche ich während der Spiele erhalten habe.

Nun heißt es Daumendrücken, dass ich euch in vier Jahren vielleicht wieder mit auf die Reise nehme. Tokyo 2020, ein T-Shirt davon habe ich schonmal.


Hallo zusammen,

heute durfte ich nochmals ein richtig tolles Spiel pfeifen, das Damenhalbfinale zwischen Brasilien und China. Auch diesmal war der Einmarsch in die Halle so klasse, aber das war zu erwarten, nachdem Brasilien spielte. Als den Brasilianerinnen in der ersten Halbzeit den Ausgleich zum 1:1 erzielten explodierte die Halle fast. Das ist Gaensehautfeeling pur. Auch wir Schiedsrichter erleben solch eine Athmosphaere nur selten und koennen es nur geniessen.
Mein Spiel blieb sehr spannend, den 3:1 Vorsprung von Brasilien glichen die Chinesinen aus und es ging in die Verlaengerung. Dort hatten die Asiatinnen das gluecklichere Ende, erzielten das Golden Goal und zogen in das Finale ein.
Es gab sehr viele Traenen bei unseren Volunteers, den brasilianischen Torrichtern und den ganzen Goalball-Organisatoren im Hintergrund. Denn schon das Halbfinale der Maenner hat Brasilien, als amtierender Weltmeister und Titelfavorit, deutlich mit 1:10 gegen USA verloren.
Die ganzen brasilianischen Traeume sind innerhalb zweier Spiele geplatzt.

Morgen stehen noch die vier Begegnungen um die Medaillen an, am Samstag wartet schon der Flieger nach Hause.
Heute Nachmittag habe ich mir noch ein wenig Rollstuhlfechten und Rollstuhlrugby angeschaut und war beim Finale des Rolli-Tennis im Doppel.
So viele Gelegenheiten andere Sportarten anzuschauen habe ich bei Paralympics bisher noch nicht gehabt. Das war schon klasse, dass wir mitten im Olympic Park waren.
Gestern oder heute waere ich zwar gerne zu den beiden Rennen von Andrea Eskau, meiner Sitznachbarin beim Hinflug von Frankfurt nach Rio, gegangen, doch die Rennstrecke war etwas zu weit entfernt.

Im Paralympischen Dorf merkt man auch, dass sich die Spiele dem Ende zuneigen. Man findet mehr und mehr Athleten, welche ihre Wettkaempf hinter sich haben, abends beim Feiern, die Stimmung wird insgesammt ausgelassener. Im Essenszelt brandet immerwieder Beifall auf, wenn ein aktueller Medaillengewinner zu seinen Teamkollegen kommt. Ueberhaupt ist das mit dem Essenszelt so eine Sache, ich komme bestimmt kugelrund nach Hause. Claudia muss mich erstmal auf Diaet setzen. An den Eistruhen vorbei zu gehen und kein Eis heraus zu nehmen faellt mir meist zu schwer. Auch sonst kann man einfach alles Moegliche zu Essen bekommen, brasilianisch, asiatisch, halal, Pizza und Pasta, usw.
Salat gibt es nur spaerlich aber dafuer jedemenge verschiedenes Obst. Pasionsfrucht esse ich taeglich mehrmals. Und eben das Eis...

Der wichtigste Hinweis welchen wir im Dorf bekamen, welcher auch ueberall aushaengt, ist bitte kein Papier in die Toiletten zu werfen. Dafuer steht ein Eimer neben der Schuessel in welchen man das benutzte Papier werfen soll. Fuer uns sehr ungewoehnlich, doch bei meinen Schirikollegen hatte es wegen Nichtbeachtung schon eine Ueberschwemmung gegeben. Ueberhaupt die Sanitaeranlagen: Unsere Dusche hat drei Hebel, doch nur bei einem tut sich wirklich was, es kommt kaltes Wasser das immer heisser wird. Da heisst es schnell nassmachen, einseifen und schnell wieder abduschen. Ist vielleicht ganz gut so, denn das Wasser in der Dusche laeuft von Tag zu Tag langsamer ab. Ich habe Daniel, meinen brasilianischen Schiri gefragt, ob es bei der Dusche irgend ein System gibt, wie diese funktioniert. Er meinte nur, an und aus, mehr geht nicht. Na, die restliche Zeit werden wir das schon aushalten.

Soviel fuer heute


Hallo zusammen,

eines der spannendsten Spiele lieferten sich die USA und Deutschland im Viertelfinale. Die Amerikaner sind vier Mal in Fuehrung gegangengnen, vier Mal konnten die Deutschen ausgleichen. Selbst den Zwei-Tore-Vorsprung zum 4:2 egalisierten sie zur Halbzeitpause. Zwei Minuten vor Spielende gelang Deutschland die erstmalige Fuehrung zum 6:5, doch die USA glichen umgehend aus. Knapp eine Minute vor Schluss trafen die Amerikaner zum entscheidenden 7:6 und liesen sich den Sieg nicht mehr nehmen.
Eigentlich bin ich mit ganzem Herzen ja Schiedsrichter, doch in dem Spiel hatte ich beim Zuschauen patschnasse Haende. Das ist Goalball auf bestem Niveau und total toll zum Anschauen.
Auch in meinem Viertelfinale knisterte bis unters Hallendach. Das Spiel wogte hin und her. Kurz vor Ende der regulaeren Spielzeit glich Kanada zum 4:4 gegen Litauen aus, es ging in die Verlaengerung. 90 Sekunden vor deren Ende erzielte Litauen das Golden Goal zum 5:4
In solchen Spielen ist das Pfeifen echt ein Genuss, es elektrisiert und macht total Spass.
Morgen stehen die Halbfinalspiele an, eine Schiedsrichtereinteilung haben wir noch nicht bekommen.

Mich haben nun schon einige von euch gefragt, ob es denn gar keine Bilder aus Rio gibt. Da aber meine SD-Karte nicht von meinem Laptop gelesen werden kann und ich kein Smartphon dabei habe, war das etwas schwierig. Peter und Bulent haben mir von unseren Ausfluegen und von mir in der Goalballhalle Bilder geschickt. Hoffe sie vermitteln einen kleinen Eindruck von hier.


Hallo zusammen,

die Vorrunde ist beendet, heute stehen alle acht Viertelfinalspiele an. Deutschland hat gestern leider auch das letzte Gruppenspiel gegen Weltmeister Brasilien verloren. In deren Gruppe waren am Ende die Plätze drei bis fünf punktgleich. Durch den klaren 10:0 Sieg im ersten Spiel wurden, auf Grund des besseren Torverhältnisses, die deutschen Männer Dritter und spielen in knapp zwei Stunden gegen die USA um den Einzug ins Halbfinale. Mit dem Erreichen des Viertelfinales hat das mit Abstand jüngste Herrenteam des Turniers ihr selbstgestecktes Zeil erreicht, alles was jetzt noch kommen mag ist eine tolle Zugabe.
Ich selbst pfeife erst heute abend um sechs das Spiel Litauen gegen Kanada, davor bin ich am Nachmittag noch im Damenspiel Türkei gegen Israel am Zeitnehmertisch im Einsatz.
Es ist gut, dass ich heute morgen frei habe. Gestern war für die deutsche Delegation ein Empfang der Bundesregierung im Deutschen Haus, zu welchem wir technischen Offiziellen auch eingeladen waren. Es gab echt gutes Essen, deutsches Bier (obwohl das brasilianische besser schmeckt als das Krombacher dort) und leckere Caipirinhas. Es war schön in solch lockerer Runde bekannte Gesichter zu treffen und neue Leute kennen zu lernen. Man hat sich richtig gut vorstellen können, wie die Medailiengewinner während der Olympiade zum Feiern das Deutsche Haus rockten.
Mein slowenischer Schirikollege meinte, ich solle doch nach dem Fest noch zur "bin Laden Bar" auf ein Bier kommen. Da wir vom Deutschen Haus um elf zurück waren und die Bar nur fünf Minuten weg ist schaute ich noch vorbei. Die Bar, es ist wohl eher sowas wie ein Biergarten, hat es während der Olympiade anscheinend zu größerer Aufmerksamkeit gebracht. Mehrere Fernsehsender und auch die New York Times haben darüber berichtet. Bei uns hätte der WKD den Laden schon längst geschlossen.
Aber die Stimmung dort ist klasse, Athleten, Trainer, Schiris, Volunteers und Einheimische feiern sport- und länderübergreifend zusammen. Die Literflasche Bier für gut drei Euro. Naja, da wurde es doch etwas später und auf dem Nachhauseweg meinte mein Goalballschiri aus Brasilien, ob wir nicht noch auf eine Pizza ins Essenszelt gingen, welches ja 24 Stunden geöffnet hat. Also sind wir heute Nacht um halb drei Pizza essen gegangen.
Gut dass ich ausschlafen konnte.
Jetzt wird es aber Zeit zum Frühstücken, denn das Spiel der Deutschen würde ich doch gerne sehen.


Hallo zusammen,

heute haben sich die Ereignisse hier bei uns in der Goalballhalle etwas überschlagen. Die deutschen Männer mussten im ersten Spiel des Tages gegen Schweden antreten.
In der ersten Halbzeit kamen sie nie richtig ins Spiel und lagen zur Pause mit 0:4 zurück. In Halbzeit zwei kämpften sie sich ins Spiel rein und kamen bis auf 4:5 ran. Doch Schweden zog wieder auf 9:4 davon. Mehr als der Treffer zum 5:9 Endstand sprang für die Deutschen nicht mehr heraus.
Im dritten Spiel war ich an der Reihe um das Herrenspiel Algerien vs. Kanada zu pfeifen. Nun ist der kanadische Centerspieler einer, der auch versucht im Spiel seinen Sehrest einzusetzen indem er die Eyepads und die Goalballbrille mit Gesichtsbewegungen versucht hochzuschieben. Beim ersten Mal nach knapp einer Minute habe ich ihn noch etwas besser verklebt, doch er machte weiter. Auch als ich ihn bei der zweiten Unterbrechung die Brille enger machen lies hörte er danach nicht mit den Veruchen zu manipulieren auf. Als ich bei der dritten Unterbrechung sah, dass die Eyepads und Klebestreifen von der Haut abstanden und die Brille wieder nach oben gerutscht war, habe ich ihn des Spieles verwiesen, im Fussball wäre es eine Rote Karte gewesen. Kanada musste fortan zu zweit weiterspielen. Das Spiel blieb spannend doch natürlich verlor Kanada es und legte Protest ein.
Von Schiedsrichterkollegen, den Torrichtern und einigen Trainern habe ich viel Zuspruch für diese Aktion bekommen, sie war überfaellig. Das hat im Blindensport einfach nichts zu suchen. Dementsprechend sicher war ich mir auch, dass dem Protest nicht stattgegeben wird.

Heute sind die algerischen Damen aufgetaucht. Sie haben es geschaft nach Rio zu kommen ( böse Zungen sagen, nun ist das angesetzte Spiel gegen Israel ja vorbei).
Japan gewann gegen Algerien zwar klar mit 7:1 doch auch Japan legte Protest ein. Für Israel und die USA wurde das Spiel, bei welchen Algerien nicht antrat, nach den Regeln jeweils mit 10:0 gewertet. Bei kleinen Gruppen mit je nur fünf Mannschaften ist das kaum aufzuholen. Doch auch dieser Protest wurde abgelehnt.Rio2016 AKnecht2 privat

Nach meinem gestrigen Einsatz in den Spielen am Morgen hatte ich den Rest vom Tag frei und nutzte die Gelegenheit zusammen mit Pieter aus Holland endlich zur Christusstatue hoch zu gehen. Es war vom Wetter her ein toller sonniger Tag. Ganz Rio war auf den Beinen. Entweder waren die Cariocas am Strand, in den verschiedenen Sportstätten oder bei Christo. Wir haben zwei Stunden benötigt, bis wir oben waren. Soviel Schlange stehen mussten wir. Aber es hat sich gelohnt, der Ausblick auf Rio ist schon genial. Eine riesen Stadt, aber traumhaft eingebettet zwischen den bewaldeten Bergen und den Stränden. Da es doch recht lange dauerte, bis wir oben waren, konnten wir als Trost dort oben dann den Sonnenuntergang geniessen.
Im Olympic Park und den Sportstätten waren Massen von Menschen unterwegs. Die Future Arena war mit rund acht Tausend Zuschauern gefüllt. Die Mannschaften und auch wir Offiziellen geniessen das, spielen wir doch sonst meist vor leeren Rängen.
Morgen haben die deuschen Männer ihr letztes Vorrundenspiel und ich darf drei Mal ran.

Soviel für heute


Hallo zusammen,

jetzt habe ich gerade mein erstes Spiel mit brasilianischer Beteiligung hinter mir, Brasilien gegen Algerien. Die Stimmung war so klasse. Schon der Einmarsch fuehlte sich super an, die brasilischen Maenner liefen als erste ein und ich vorne weg. Die Halle tobte. Das Spiel selbst war recht eindeutig, Brasilien gewann in der zweiten Halbzeit vorzeitig mit 12:2. Zweoelf mal hatte das Publikum die Moeglichkeit genutzt die Halle fast zum Kochen zu bringen. In der Halbzeitpause rollte wiedermal die La Ola-Welle ueber die Tribuehnen.
Gestern haben die deutschen Herren ihr Spiel gegen Canada mit 5:7 knapp verloren, doch ich denke das Viertelfinale schaffen sie auf jeden Fall. Wie erwartet fand das Spiel danach zwischen Algerien und Israel (Damen) nicht statt. Anscheinend sind die algerischen Frauen noch garnicht in Rio angekommen.
Das ganze erinnert mich stark an ein Spiel bei meinen ersten Paralympics 1988 in Seoul. Da sollte ich Iran gegen Israel pfeifen. Iran war weder zur Seitenwahl noch zum Einmarsch anwesend. Kurz vor Spielbeginn tauchte die iranische Maennermannschaft auf, stellte sich aufs Spielfeld, sang zwei Schmaehlieder und verschwand wieder.
Da stand ich nun als junger 21-jaehriger Bub und wusste nicht was los war.
Tja, auch achtundzwanzig Jahre spaeter ist die Welt noch nicht viel weiter.

Nach meinem gestrigen Spiel bin ich mit Bulent aus der Tuerkei zum Zuckerhut. Da wir recht weit ausserhalb sind, braut man immer mindestens eine Stunde ins Zentrum von Rio. Seit dem kurzen Regen an der Eroeffnungsfeier haengen stets Wolken ueber Rio. Gestern begann es zum erstem Mal etwas aufzureissen, leider verzogen sich die Wolken am Zuckerhut nicht gaenzlich. Vom Huegel davor hatte man noch eine schoene Sicht auf Rio rund um, doch von dort schwebte die Gondel in die Wolken hinein. Es war dennoch lohnendswert hinauf zu fahren. Der Bambuswald im Nebel verbreitete eine ganz besondere Stimmung und wie fast zufaellig wanderte dort oben ein Stein in meinen Rucksack. (Wer den Bericht in den Stuttgarter Nachrichten vor dreieinhalb Wochen gelesen hat, weiss auch warum)
Rio hat ohnehin ganz viele solcher Berge/Huegel mit steilen Flanken aber runden Formen. An den Steilhaengen scheint der braune Fels durch, ansonsten sind sie gruen. Die staendige Feuchtigkeit durch die Wolken laesst dort viele Pflanzen wachsen, welche es auf dem trockenen Stein sonst nicht schaffen wuerden.

Rio2016 AKnecht privatNach dem Zuckerhut sind wir, wie geplant, zur Copacabana. Das Beachvolleyballstadium wird gerade abgebaut, dennoch habe ich es geschafft von dem 'Goldsand der deutschen Beachvolleyballerinnen´ mir eine Flasche voll zu fuellen. Mit nackten Beinen liefen wir durch die ausrollenden Wellen den Strand entlang. Die Wellen an der Copacabana sind beeindruckend hoch, ich glaube wenn noch Zeit bleibt muss ich mit Badezeug nochmals herkommen.
Am Strand haben wir uns mit Sarah, eine deutsche Goalballschiedsrichterin getroffen. Sie ist als Volunteer bei der Leichtathletik in Rio. Nach zwei leckeren Caipirinhas wurde es Zeit ins Village zurueck zu fahren, hatte ja heute frueh das erste Spiel zu pfeifen.


Hallo zusammen,

gestern bekam ich nochmals Gänsehaut in der Halle. Diesmal aber nicht der tollen Stimmung wegen, ich war einfach nur durchgefroren. Nach meiner letzen Rundmail hatte ich noch ein Spiel Dienst am Zeitnehmertisch und die Klimaanlage bläßt dort ständig hin. Mal schauen wie lange es bis zur ersten Erkaeltung dauert. Hier wird alles Mögliche auf Kühlschranktemperatur herunter gekühlt. Ganz extrem war es in der Metro, dort konnte man fast nicht sitzen, da die Sitzbank aus Edelstahl ist und man fürchten musste festzufrieren. Dabei wäre es garnicht nötig, das Wetter ist angenehm mild (es ist Winter in Brasilien), kurze Hosen und T-Shirt reichen meistens, jedoch ist es nie zu heiss oder gar schwül.
Schon am ersten Tag nach unserer Ankunft am Flughafen wurden wir auf der Fahrt zum Paralympischen Dorf eine Stunde lang tiefgefroren. Naja, ich bin eben kein Freund von Klimaanlagen.
Nach dem ersten Spieltag ist Goalball ein heisses Thema hier in der Presse und den sozialen Medien. Leider nicht auf der positiven Seite. Wie schon gesagt, ist es mit der Geräuschkulisse in der Halle nicht so einfach. Gestern früh hat wohl eine kanadische Schiedsrichterin wegen einem scheienden Baby das Spiel mehrfach unterbrechen müssen und am Ende die Mutter gebeten mit ihrem Kind hinaus zu gehen. 'Baby is kicked out from Goalball venue´ war die Schlagzeile.

Heute morgen hatte ich mein zweites Spiel zu pfeifen, Damen Canada vs. Tuerkei. Es lief recht gut und macht einfach Spass hier zu pfeifen. Die Deutschen sind erst morgen wieder dran.
Jetzt weiss ich auch, warum Willi Lembke beim Spiel der Goalballer anwesend war. Ich hab mal einen Ausschitt aus einem Bericht im Goalballforum unten mit angehängt, echt ne tolle Sache.

Nach meinen beiden Spielen heute bin ich los, die Sportstätten im Olympic Park zu besuchen. Blindenfussball, Rollstuhlbasketball, Judo, Schwimmen, Rollstuhltennis hab ich gesehen und im Velodrom beim Radfahren war ich auch. Immer wenn Athleten aus Brasilien am Start waren, war die Begeisterung riesig. Natürlich bleiben etliche Sitzplätze leer, das hat man ja schon bei den Olympiaübertragungen gesehen, doch es sind deutlich mehr Zuschauer in den Sportanlagen und im Olympic Park unterwegs als ich erwartet habe.

Nun hat heute auch noch die Politik, religioese Ideologie oder wie man es nennen möchte unseren Sport erreicht. Die algerische Damnmannschaft ist nicht zum Spiel gegen USA aufgetaucht. Morgen, direkt nach dem Spiel Deutschland vs. Canada um 17:30 Uhr (22:30h bei euch,) hätte das Spiel Israel vs. Algerien angestanden. Dies wäre auch schon das Finale beim Vorbereitungsturnier im Mai in Izola gewesen, zu welchem Algerien nicht antrat. Das IPC hat klar ausgedrueckt, dass im Wiederholungsfall (Algerien weigert sich gegen Israel zu spielen) die gesammte algerische Delegation, also alle Sportler und Offiziellen ausgeschlossen werden und das Dorf binnen 24 Stunden verlassen müssen.
Nun hat es den Anschein, aus meiner Sicht, dass die Algerischen Goalballerinnen erst garnicht zum Turnier antreten um nicht nur das Spiel gegen Israel verweigern zu müssen. Bin mal gespannt, wie das IPC entscheidet. Im Falle des Russland-Ausschlusses wegen der Dopingpraktiken war das IPC ja auch recht konzequent.

Morgen hab ich nur das erste Spiel zu pfeifen, Türkei vs. Finnland. Danach möchte ich mit einem Schiedsrichterkollegen, welcher auch den rest des Tages frei hat, zum Zuckerhut und vielleicht noch die Copacabana entlang schlendern.


Hallo zusammen,

das deutsche Maennerteam ist mit einer sehr ueberzeugenden Vorstellung ins Turnier gestartet. Sie haben mit 10:0 gegen Algerien noch in der ersten Halbzeit das Spiel vorzeitig beenden koennen. Es war schoen sie in dieser Form zu sehen, auch wenn die kommenden Gegner sicherlich mehr Gegenwehr bieten werden. Zwei Reihen hinter mir sass Herr Lembke, ehemaliger Fussballmanager von Werder Bremen. Mit dem konnte ich auch kurz ein paar Worte wechseln.
Nach den deutschen Maennern war mein erstes Spiel dran. Japan gegen Israel (Damen), viel ist nicht passiert, 1:1 endete es und war gut zu pfeifen. Aber der erste Einmarsch war schon toll. Als Schiedsrichter betritt man, jeweils ein Team anfuehrend, die Halle und geht Richtung Spielfeld zum Line up, bei welchem die einzelnen Spieler und Trainer vom Hallensprecher vorgestellt werden.
Das heisst, der Vorhang geht auf, man marschiert vorneweg und rund zweieinhalbtausend Zuschauer bieten den Mannschaften einen tollen Empfang. Mir sind in dem Moment mehrfach Gaensehautschauer ueber den Ruecken gelaufen. Echt klasse, ich geniese das voll auch wenn es eine Weile dauerte, bis ich die Nervositaet wieder ablegen konnte.
Bei einer solchen Anzahl von Zuschauern ist immer ein deutlicher Geraeuschpegel in der Halle, welchen wir so nicht gewohnt sind. Besonders bei brenzligen Situationen in Torliniennaehe kommen viele Ohhs und Ahhs. Nach jeder gelungenen Abwehr zu Spielbeginn brandet Beifall auf, obwohl das Spiel ja weiterlauft. Naja, auch die Zuschauer muessen sich erst an unseren Sport gewoehnen. In den ersten beiden Spielen heute Morgen, als Brasilien auf dem Feld war, fingen die Zuschauer kurz vor Ende des Spiels an die Sekunden laut herunter zu zaehlen. Das geht beim Goalball leider auch nicht.

rund um die Sporthallen im Olympic Park ist ebenfalls etliches geboten. Zuschauer und Besucher koennen selbst verschiedene Sportarten der Paralympics ausprobieren, die Maskottchen sind unterwegs uns sorgen fuer Stimmung...
Ich werde die naechsten Tagen nutzen um im meinen Spielpausen vielleicht auch ein paar andere Sportarten zu sehen oder nur um die Stimmung im Olympic Park aufzusaugen.


Hallo zusammen,

wow, war das eine klasse Stimmung bei der Eröffnungsfeier. Es ist schon toll dort live im Stadion dabei sein zu können, und zudem noch im Maracana, wo vor zwei Jahren Mario Götze in der 113. Minute.....
Auch wenn dies bereits meine achte paralymische Eröffnungsfeier war, ist es doch immer wieder faszinierend zuzuschauen. Besonders der Augenblick, in welchem das Feuer entzündet wird, geht so richtig unter die Haut. Leider hat es just in dem Moment stark zu regnen begonnen als das Paralympische Feuer ins Stadion getragen wurde. Die unteren Sitzreihen haben sich ruck zuck gelichtet und die Athleten mussten im Regen ausharren. Auch die Fackelträger wurden patsch nass. Pünktlich mit dem Abschlußfeuerwerk hörte der Regen denn auch wieder auf.
Die Begeisterung auf den Rängen war klasse, das Stadion brodelte geradezu als Brasilien einmarschierte. Doch auch davor schon rollte die La Ola-Welle durchs Rund.
Vielleicht wollten sich die Zuschauer aber auch nur selbst unterhalten. Ein Einmarsch von über 150 Ländern dauert einfach seine Zeit und wird für viele zäh.
Als der brasilianische Staatspräsident das Wort ergriff um die Spiele zu eröffnen, schlugen ihm ein Pfeifkonzert und tausendfache Buhrufe entgegen, bis diese sich langsam in ein immer lauter werdendes "Brazil, Brazil" wandelten.
Mit meiner Prognose in der letzten Mail, dass wir etwa eine dreiviertel Stunde zum Stadion benötigen, war ich doch sehr optimistisch. Aufgrund von starken Verkehrs und mehrmaligem "im Kreis fahren", da sich die Fahrer wohl nicht so gut auskannten, saßen wir knapp zwei Stunden im Bus und haben dadurch den Beginn der Eröffnungsfeier verpasst.
Im Stadion habe ich Norbert aus Bonn getroffen, ein ehemaliger Rollibasketball-Schiedsrichter, heute ist er im Rollstuhlbasketball-Weltverband tätig. Unsere erste Begegnung hatten wir 1988 im Flugzeug nach Seoul, wo wir uns mit zwei weiteren deutschen Schiedsrichtern den langen Flug mit Skatspielen und Biertrinken verbrachten.
Morgen beginnt endlich das Goalballturnier. Mein erster Einsatz ist das Spiel Japan gegen Israel um 14:30 Uhr. Das heißt, ich habe das Glück nach der Eröffnungsfeier ein wenig ausschlafen zu können. Das deutsche Männerteam steigt direkt im Spiel davor gegen Algerien ins Turnier ein.
Diesesmal haben wir, im Gegensatz zu frühern Paralymics, keine freien Tage mehr. Wir sind täglich zum Pfeifen eingeteilt. Ich hoffe dennoch die Chance auf ein bischen Sightseeing zu haben. Obwohl die Fahrt mit Öffentlichen vom Paralympic Village nach Rio rein (Zuckerhut, Copacabana und Christusstatue) recht umständlich ist und rund eine gute Stunde dauert.

So viel für heute


Einen schönen guten Morgen aus Rio,

das heißt, bei euch geht es ja schon auf den Mittag zu. Hier ist es kurz nach sechs und aufgrund der Zeitverschiebung bin ich gestern und heute jeweils bereits um vier Uhr wach geworden. Das gibt sich hoffentlich die nächsten Tage.
Gestern waren wir zur Schiedsrichterbesprechung das erste Mal in unserer Halle. In der Future Arena fanden während der Olympiade die Handballspiele statt. Eine riesen Arena mit über neuntausend Sitzplätzen. Der Finaltag beim Goalball sei wohl schon ausverkauft, auf die Stimmung dort freu ich mich jetzt schon.
In einer Stunde geht es heute früh nochmals zur Halle. Dort werden wir die Abläufe, wie den Einmarsch mit den Teams vor dem Spiel und ähnliches durchspielen. Beim Auftakt morgen sollte alles sitzen.
Am Abend findet dann im Maracana Stadion die Eröffnungsfeier statt. Wir werden bereits drei Stunden vorher abgeholt, damit alle rechtzeitig dort sein werden. Das wird ohnehin eine logistische Herausforderung. Vom Paralympischen Dorf zum Stadion braucht man mit dem Buss etwa eine dreiviertel Stunde. Es werden eine Unmenge von Bussen benötigt um alle Athleten, Trainer und Offizielle zum Stadion und zurück zu bringen. Bin echt mal gespannt.
Das Dorf selber ist schon sehr faszinierend. Es sind recht kurze Wege, da alle in 21 Häuser mit je 18 Stockwerken Platz haben. An den Gebäuden hängen an den Balkonen die unterschiedlichsten Landesflaggen, echt ein tolles Bild. Im Innenbereich zwischen den Häusern ist eine große Grünanlage mit Spielplatz und Wasserspielen, ein Bach schlängelt sich durch, für Jogger und Radfahrer gibt es einen Rundkurs auf den auch die Rollifahrer sich mit ihren Hightech-Geräten fit halten.

Nun muß ich aber los, frühstücken und zur Halle.


Hallo zusammen,

bin heute gut in Rio angekommen. In Frankfurt am Flughafen haben sich so nach und nach Goalball-Schiris aus Slovenien, Finnland, der Uraine, Litauen, Russland und China am Gate nach Rio eingefunden. Wir waren neun Goalballer im selben Flieger. Aber es waren auch noch etliche Sportler aus verschiedenen Laendern mit an Bord. Ich sass letztendlich zwischen zwei Rollifahrern, was den Weg zur Toilette immer etwas schwirig machte, zumindest das Raus- und Renkommen in die Sitzreihe. Rechts ein Klassifizierer fuer Rollstuhlbasketball aus Litauen und am Fenster sass neben mir Andrea Eskau, mehrfache Goldmedailiengewinnerin in Sotchi, London und Peking. Wir haben uns prima verstanden viel, viel Zeit zum Quatschen und Fachsimpeln gehabt.
Zwei Goalballtrainer aus Nuernberg, welche als Tourist fuer ne Woche nach Rio kommen, waren ebenfalls an Bord
Am Flughafen in Rio bekamen wir unsere Akkreditierung, da in dem Linienflug aber wie gesagt etliche Paralympicteilnehmer waren dauerte alles recht lange. Mit dem Bus ging es dann ins Paralympic Village. Kaum durch den Sicherheitscheck durch kam dieses ganz spezielle Feeling auf. Dies laest sich mit nichts vergleichen, die ganze Welt auf kleinem Raum zusammen.
Direkt vor dem Wohnblock der Schiris traf ich Anton aus dem Allgaeu. Ein ganz lieber Volleyballschiedsrichter, welchen ich, obwohl kaum zwei Stunden von Stuttgart entfernt wohnhaft, nur alle vier Jahre treffe.
Nachdem wir das Zimmer bezogen hatten war der erste Gang zum Fruehstueck in das Essenszelt. Das ist immer wieder faszinierend welche Ausmasse die Dining Hall hat, fast so gross wie ein Flugzeughangar.
Nun werden wir noch zum Einkleiden gehen und uns etwas aklimatisieren und umschauen.

Soviel fuer heute


Hallo zusammen,
die Paralympics stehen vor der Türe. Heute Abend geht mein Flug nach Rio, denn ich bin als Goalball-Schiedsrichter mit dabei.
Auch diesmal möchte ich versuchen euch (Familie, Freunde und Bekannte, die Sportkameraden vom SV Hoffeld, Sportfreunde im Torball und Goalball und vielen, mit denen ich durch den Sport in letzter Zeit in Kontakt war) Infos, Eindrücke und Erlebnisse aus Rio per Mail zu senden. Einige von euch haben mich ja bereits gefragt, ob es diesmal wieder meine Infomails gibt. Nun hoffe ich doch in Rio die Zeit und die Möglichkeit zu haben euch auf dem Laufenden zu halten.
Grene dürft ihr meine Mails an Interessierte weiterleiten. Wenn es euch zu viel wird, könnt ihr mir auch Bescheid geben und ich nehme euch aus dem Verteiler wieder raus.

Die Vorfreude auf Rio ist riesig und mit jeder Olympiaübertragung im August siteg sie weiter an. Bin total gespannt wie das olympische Dorf sein wird. Das Goalballturnier findet in der Future Arena im Olympic Park statt, welcher zu Fuß vom "Dorf" zu erreichen sei.

Die nächsten Infos kommen dann aus Südamerika

 

Hallo zusammen,

eines der spannendsten Spiele lieferten sich die USA und Deutschland im Viertelfinale. Die Amerikaner sind vier Mal in Fuehrung gegangengnen, vier Mal konnten die Deutschen ausgleichen. Selbst den Zwei-Tore-Vorsprung zum 4:2 egalisierten sie zur Halbzeitpause. Zwei Minuten vor Spielende gelang Deutschland die erstmalige Fuehrung zum 6:5, doch die USA glichen umgehend aus. Knapp eine Minute vor Schluss trafen die Amerikaner zum entscheidenden 7:6 und liesen sich den Sieg nicht mehr nehmen.

Eigentlich bin ich mit ganzem Herzen ja Schiedsrichter, doch in dem Spiel hatte ich beim Zuschauen patschnasse Haende. Das ist Goalball auf bestem Niveau und total toll zum Anschauen.

Auch in meinem Viertelfinale knisterte bis unters Hallendach. Das Spiel wogte hin und her. Kurz vor Ende der regulaeren Spielzeit glich Kanada zum 4:4 gegen Litauen aus, es ging in die Verlaengerung. 90 Sekunden vor deren Ende erzielte Litauen das Golden Goal zum 5:4

In solchen Spielen ist das Pfeifen echt ein Genuss, es elektrisiert und macht total Spass.

Morgen stehen die Halbfinalspiele an, eine Schiedsrichtereinteilung haben wir noch nicht bekommen.

Mich haben nun schon einige von euch gefragt, ob es denn gar keine Bilder aus Rio gibt. Da aber meine SD-Karte nicht von meinem Laptop gelesen werden kann und ich kein Smartphon dabei habe, war das etwas schwierig. Peter und Bulent haben mir von unseren Ausfluegen und von mir in der Goalballhalle Bilder geschickt. Hoffe sie vermitteln einen kleinen Eindruck von hier.

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