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Wer will, findet einen Weg: Susis Start in den Rehasport

Nach einem schweren Unfall hat Susi nicht nur ihr Leben neu geordnet, sondern auch ihre Leidenschaft für Sport und Bewegung neu entdeckt. Mit viel Energie, eigener Erfahrung und einem klaren Ziel vor Augen arbeitet sie heute als Übungsleiterin im Rehasport.

Einstieg und HintergrundImage 2 Susi

  • Möchtest du dich unseren Leser*innen kurz vorstellen?

    Gerne, ich bin Susi, 46 Jahre jung, Mama von zwei tollen Töchtern und arbeite als Diplom-Betriebswirtin. Nach einem schweren Autounfall im Sommer 2021 musste mein linkes Bein oberhalb des Knies amputiert werden. Seither habe ich eine neue Wertschätzung für das Leben und meinen Körper gewonnen und versuche, aus jedem Tag das Maximale herauszuholen.

  • Welche Rolle spielt Sport in deinem Leben?

    Ich war schon immer sportbegeistert, aber seit der Amputation spielt Sport eine extrem große Rolle. Bewegung bedeutet für mich Fortschritt, Ausprobieren und Weitergehen – denn nicht jede Sportart passt zu jedem Menschen. Außerdem kann und möchte ich beweise, dass eine körperliche Einschränkung kein Hindernis ist: Wer will, findet einen Weg!

  • Was bedeutet für dich der Rehabilitationssport?

    Rehasport ist für mich die besondere Anpassung an individuelle Bedürfnisse von Menschen mit Einschränkungen mit dem Ziel, deren Gesundheitszustand zu verbessern. Das bedeutet in der Praxis, dass jede*r nach den eigenen Möglichkeiten am gemeinsamen Sport teilhaben kann und Rücksicht auf bestehende Einschränkungen genommen wird.

Persönliche Motivation

  • Was hat dich motiviert, dich für die Ausbildung im Bereich Neurologie bzw. Orthopädie zu entscheiden?

    Ich habe selbst festgestellt, dass es für Menschen mit Handicap nur wenige sportliche Angebote gibt. Deshalb habe ich mich entschieden, den Schritt zur Ausbildung zu wagen, um einen Beitrag zu diesem sehr wichtigen Bereich Sport und Bewegung zu leisten. Orthopädie lag aufgrund meiner eigenen Einschränkung zunächst nahe. Nach etwa einem Jahr Praxis habe ich jedoch gesehen, dass viele Patientinnen multiple Problematiken haben und neurologische Krankheitsbilder häufig vorkommen und noch einmal ganz andere Anforderungen mit sich bringen.

    • Hattest du im Voraus Bedenken, dass du aufgrund deiner Behinderung nicht an der Ausbildung teilnehmen könntest? 

        Vor der ersten Ausbildung hatte ich etwas Respekt, ja, später nicht mehr.

        Falls ja, wie hast du diese Bedenken überwunden?
       Mir war bewusst, dass es sich um einen Behindertensportverband handelt, daher ging ich fest davon aus, dass Inklusion eine große Rolle spielt. Zur Rückversicherung               habe ich es dennoch aktiv angesprochen und bin in offene Arme gelaufen. Denn von wem lässt man sich mehr überzeugen und zu Bewegung motivieren als von                       Betroffenen?

Ausbildung und Praxis

  • Was war für dich die größte Herausforderung in der Ausbildung – und was das schönste Erlebnis?

    Die größte Herausforderung war wider Erwarten nichts Körperliches. Vielmehr musste ich mich nach langer Zeit ohne Lernen erst wieder neu einfinden und mir viele medizinische Fachbegriffe aneignen – was man bei großem Interesse natürlich gern macht.
    Das schönste Erlebnis war das positive Feedback der Mitteilnehmenden und insbesondere das persönliche Lob bei meiner Orthopädie-Prüfung durch den damaligen Vorstand.

  • Welche Inhalte oder Erkenntnisse haben dich besonders bereichert?

    Die Krankheitsbilder aus der Neurologie-Ausbildung geben mir ein anderes Verständnis für meine Arbeit mit Senior*innen. Die vielen Tipps und Tricks sowie Spiel- und Bewegungsideen aus dem Praxisteil kann ich direkt in den Kursen umsetzen.

  • Wie haben die anderen Teilnehmenden auf dich und auf deine Perspektive als Mensch mit Behinderung reagiert?

    Die anderen Teilnehmenden waren zunächst eher zurückhaltend, bis sie gemerkt haben, dass ich sehr offen mit meiner Behinderung umgehe. Im Laufe des Praxisteils erhielt ich viele bewundernde und respektvolle Rückmeldungen zu meinem Mut. Oft hieß es, dass die Übungen besser funktionierten, als erwartet und dass ich mit meiner Art vermutlich sogar authentischer motiviere als ein „Normalo“.
  • Hat sich dein Blick auf Rehasport durch die Ausbildung verändert? Falls ja, wie?

    Definitiv hat sich mein Blickwinkel verändert. Ich erkenne nun erst, welches Wissen hinter der Ausbildung steckt und wie viele Gedanken man sich machen muss, um eine Stunde passend auf Patient*innen auszurichten. Außerdem ist es wichtig, jederzeit aufmerksam zu sein, um Übungen gegebenenfalls kurzfristig an einzelne Teilnehmende anzupassen.

Arbeit mit Teilnehmenden

  • Wenn du heute eine Gruppe leitest: Wie erleben die Teilnehmenden dich als Übungsleiterin?

    Die Teilnehmenden erleben mich als lebenslustige, sportliche Person, die immer versucht, jede*n zum Mitmachen zu bewegen und dabei im richtigen Maß zu fordern. Außerdem kann ich aus eigener Erfahrung berichten, welche Übungen nicht optimal oder nur einseitig ausführbar sind und welche Alternativen es gibt.

  • Welche Botschaft möchtest du anderen mitgeben, die vielleicht selbst überlegen, Übungsleiter*in zu werden?

    Wenn es euer Herzenswunsch ist, andere für Bewegung und Sport zu begeistern, dann zögert nicht und lasst euch nicht von Ängsten bremsen! Die Theorie ist sehr interessant und mit etwas Lernen gut zu meistern. Es ist für jede*n machbar, der oder die den Willen sowie die nötige Geduld und Ausdauer mitbringt.

  • Welche Methoden oder Übungen liegen dir besonders am Herzen, wenn du deine Gruppen leitest?

    Ich arbeite in jeder Stunde mit der Atmung und versuche Entspannung einfließen zu lassen. Außerdem lege ich großen Wert auf aufrichtende Bewegungen und Übungen, da ich hier durchweg Defizite bei den Teilnehmenden sehe. Ebenso achte ich auf eine gute Ausgeglichenheit der Körperseiten – vor allem bei unterschiedlich starken Seiten.

Vielfalt und Ausblick

  • Wir würden gerne mehr Menschen mit Behinderung in der Rolle des Übungsleitenden sehen. Warum ist es wichtig, dass auch Menschen mit BehinderungImage 3 Susi als Trainer*in sichtbar werden?

    Das ist ein eindeutiges Zeichen für gelebte Inklusion. Zudem wirkt die eigene Einschränkung absolut authentisch gegenüber den Rehasport-Patientinnen, die ja alle auf ihre Art Defizite haben. Als Übungsleiterin mit Behinderung kann man auch nicht alles perfekt ausführen, sucht Alternativen und lebt schlussendlich mit jeder Stunde vor, dass man am Ball bleiben muss.

  • Welche Botschaft möchtest du anderen mitgeben, die vielleicht selbst überlegen, Übungsleiter*in zu werden?
    Ihr könnt alles schaffen, was ihr euch zum Ziel setzt – traut es euch zu! Auch mit Behinderung sollte man sich nicht verstecken, sondern proaktiv mit gutem Beispiel vorangehen.

  • Worauf bist du heute am meisten stolz und welche Pläne hast du für die Zukunft?
    Ich bin stolz darauf, wie ich mein Leben nach dem Unfall in die Hand genommen und in andere Bahnen gelenkt habe. Ich bin mega happy darüber, den Schritt in Richtung Rehasport gewagt zu haben – es ist und war eine Bereicherung in jeder einzelnen Stunde. Ich möchte witerhin sportlich motivierend als Vorbild fungieren!

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